Husserl und die „Philosophie der Philosophiegeschichte“

Peter Andras Varga

Preview


“Nichts lag Husserl ferner als Geschichte der Philosophie, denn die Wahrheit ist
natürlich nicht interessiert an den Irrtümer der Vergangenheit“ – sagte Hans
Jonas in einem Vortrag über Husserl und Heidegger. Jonas, der im SS 1921 bei
Husserl in Freiburg studierte, konnte aus eigener Erfahrung berichten: Husserls
vierstündige Vorlesung Geschichte der neueren Philosophie in demselben
Semester „war außerordentlich“ und ihm „unvergesslich,“ aber nicht wegen
Husserls Kompetenz als Geschichtsschreiber der Philosophie: „Die Behandlung
jedes einzelnen dieser Philosophen [...] endete mit dem stereotypen Satz: ‚Erst
die neuere Phänomenologie hat die wirkliche Antwort auf diese Frage
gefunden’.“ Das Urteil von Jonas, Husserl sei „völlig naiv darin“ gewesen, fügt
sich harmonisch an andere Testimonien, sowie überhaupt an Gadamers bei
verschiedenen Anlässen erzählte Anekdote über die pädagogische Inkompetenz
von Husserl, der „sein[en] eineinhalbstündige[n] Monolog“ während einer
Seminarsitzung nachhinein als „eine anregende Diskussion“ bezeichnete.


Full Text:

PDF


Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 License.